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Gründung des Schützenverein Altkloster

1883-Schützenfest-Plakat

Am 6. Mai 1883, wurde in Altkloster ein Schützenverein gegründet.

Damals war Altkloster eine Gemeinde mit 861 Einwohnern im Amt Harsefeld und dem Geestkreis Stade, seit 17 Jahren preußisch und seit 12 Jahren in Deutschen Reich.
Der größte Industriebetrieb, die Winter‘sche Papierfabrik, war im Jahr zuvor durch Zwangsvergleich der Familie Winter entglitten.

Gemeindevorsteher in Altkloster waren der Papiermachergeselle und Anbauer Christian Hauschildt und seit 5. November 1883 der Anbauer Johannes Allers, der sein Büro im reetgedeckten Haus im Klosterhof hatte.

Die Altklosteraner waren es gewohnt, im Sommer vor den Schafsmärkten Schützenfest zu feiern. Die Schützengilde der Stadt Buxtehude von 1539 beging ihr fest seit 1855 jedes Jahr im Eichholz. Noch im Frühjahr 1883 schlossen sie mit der Gemeinde Altkloster, die vom Forstfiskus das Eichholz angekauft hatte, einen Vertrag, nach dem es der Schützengilde gestattet war, bis 1887 dort ihre Schützenfeste abzuhalten. Aber als 1881 die Eisenbahn gebaut wurde, legte die Schützengilde nördlich der Bahn einen neuen Schießstand an. Die Altklosteraner wollten ihr sommerliches Volksfest behalten und gründeten einen eigenen Verein.

Die Einwohnerzahl von Altkloster war von 1848 bis 1880 um rund 600 gestiegen. In diesen drei Jahrzehnten wurde aus der Papierwassermühle eine Fabrik mit Dampfbetrieb, die (1887) 159 Arbeiter, 92 Arbeiterinnen und 15 Beamte beschäftigte. Arbeiter und Handwerker sowie die zahlreichen – etwas 60 – Anbauer (Kleinlandwirte) bildeten die Mehrzahl der Einwohnerschaft, aus ihnen kamen die meisten Mitglieder des neuen Schützenvereins.

Am 6. Mai 1883 verschickte Christian Hauschild namens des Vorstandes eine
Einladung zur Beteiligung an dem in Aussicht genommenen Schützenfeste zu Altkloster“:
„Es ist, da Buxtehude in diesem Jahre im Altkloster Eichholze kein Schützenfest abhalten wird, in Anregung gebracht worden, ein solches unserseits ins Leben zu rufen. Diese Idee hat vielen Anklang gefunden, ein vorläufiger Vorstand ist gewählt und beauftragt worden, diese Angelegenheit zu fördern. Vertrauend, genügend Unterstützung zu finden, ladet der Vorstand ein und bittet, sich durch Namensunterschrift an der Beteiligung des Schützenfestes zu verpflichten.“

Der einzuzahlende Betrag dürfte höchstens M 3,-- für die Unterzeichner betragen.
45 Altklosteraner haben diese erste Liste unterzeichnet, die Namen sind:

Fritz Augustin, Hinrich Behrens, L. Bergmann, H. Bredehöft, Johann Bredehöft, Nicolaus Bredehöft,
Nikolaus Bredehöft, D. Bremer, J. Bremer, J. Bostedt, Ernst Dederschek, Johann Dede, Ludwig Detjen, Peter Drewes, J. F. Evers aus Moisburg, Christoph Fick, Emil Fick, Hinrich Fick, Johann Fick, Heinrich Garbers, Louis Garbers, Wilhelm Goedecke, Hinrich Holst, W. Hoppstock, Christian Hauschild, Th. Hauschildt, C. Heckmann, H. Johannsen, Wilhelm Lemmermann, H. Meyer aus Moisburg, Philipp Mund, ?. Nagel, H. Ritscher, J. Rödding, Wilhelm Rubenow, Heinrich Sauer, Nicolaus Schuldt, J. Schüler, G. Sievers, H. Sußmann, Bernhard Thielemann, J. Tödter aus Inbeek,
G. Vogelsang, Johannes Wegener, A. Wischnefske,

 

Zimmermeister Ludwig Detjen – erster Vorsitzender

Am 20. Mai 1883 wurde die Vorstandswahl schriftlich festgehalten: Ludwig Detjen, G. Sievers,
Heinrich Garbers, H. Holste, J. Behrens, H. Sußmann
. Garbers und Behrens waren Gastwirte,
Sußmann Fabrikarbeiter, Sievers Lehrer. Dass zu den ersten Mitgliedern Gastwirte, Handwerker und Bäcker gehörten, Leute, die auch verdienen wollten, nimmt nicht wunder. Die Aufträge an Bewerber, die Zelte bewirtschaften, Dekoration und Lampen liefern möchten, beschäftigen den Vorstand in 
mehreren Sitzungen vor dem Fest, dass für den 16. Und 17. Juni festgesetzt wird. Es soll nach zwei Scheiben und nach einem Vogel geschlossen werden. Die Witwe Fischer liefert die Büchse für das Schießen. Die Preise werden festgesetzt, drei Schüsse nach dem Vogel kosteten 25 Pfennige. Um die Bewirtung haben sich Peter Gade, Frau Bussenius und Johann Fick beworben und
75, 100 und 95 Mark Pacht angeboten. Den Zuschlag erhielt Frau Bussenius für 120 Mark.

Am 6. Juni versammelten sich die Mitglieder nach einmal abends im Gasthaus Bödecker. Ortsvorsteher Hausschild teilte mit, dass der Amtmann die Satzung genehmigt hat. Zu Offizieren wurden Wilhelm Goedecke (Lagermeister), Hinrich Moje (Anbauer), Johann Bredehöft
und Johann Dede, zum Fahnenträger Martin Jank (Maurermeister) gewählt.

Am 11. Juni tagte der Vorstand bei Gastwirt Heinrich Garbers. Herr Holst wurde beauftragt:
Herrn Kück (Direktor der Papierfabrik) zu ersuchen, im Interesse des Schützenfestes
Montag, den 18. die Fabrik stehen zu lassen“. Ferdinand Kück stimmte zu – lange bevor alle Bürger am 1. Mai arbeitsfrei hatten, bekamen die Arbeiter in Altkloster Urlaub am Schützenfestmontag.

 

Der Gemeindevorsteher erließ folgende Bekanntmachung:

„Am Sonntag, dem 17. und Montag, dem 18. Juni wird im Altkloster Eichholze ein Schützenfest abgehalten werden – es werden deshalb an diesen Tagen alle durch das Eichholz führenden Wege gesperrt sein und insonderheit noch darauf aufmerksam gemacht, sich aus den Schusslinien zu halten.“

Die Altklosteraner haben sich wohl darangehalten, denn einen Unfall hat es nie gegeben. Wie man ein Fest feiert, hatten die Buxtehuder ihnen vorgemacht. Zum Beispiel, dass man an Druckereikosten und vor allem an der Musik nicht sparen durfte. Herr Emil Fick, der Musikdirektor tituliert wurde, erklärte sich bereit, für 200 Mark zum Zapfenstreich, zur Reveille (Wecken) und zum Ausmarsch mit seinem ganzen Korps aufzuspielen und auch im Tanzzelt die Musik zu stellen. Für Drucksachen schickte die Buchdruckerei J. Vetterli eine Rechnung über Mark 79,30 u.a. für 1.000 Programme, 100 Mitgliedskarten, 3.000 Eintrittskarten zum Festplatz, je 200 Karten für Vogelschützen und Damen fürs Schützenzelt, 100 Tanzkarten für Herren, 150 runde Karten für Schützendamen,
800 Eintrittskarten zum Schützenzelt am Montag, vier Plakate „Verbotener Weg“,
zwei große Plakate „Es leben die Schützen“. Sogar in den Hamburger Nachrichten“ erschienen zwei Anzeigen des neuen Vereins. Für 80 Mark mietete man von der Schützengilde die Beleuchtung, eine große und eine kleine Ehrenpforte, die Vogelstange, drei Schießhallen, ein Ladezelt, Bänke, Tische, Küche, Kanonen und Schutzleinen.

 

Viel Staub: Wassersprengen nützte nichts

Wie das Fest verlief, konnten die Leser am 22. Juni aus dem „Buxtehuder Wochenblatt“ entnehmen:

„Es war für die Betreffenden, welche sich für ein solches Fest interessierten, keine leichte Arbeit, denn sie hatten viele Widersacher, welche viele Gründe hervorzitierten, die nicht recht stichhaltig waren. Mag nun die Gesinnung sein, wie sie will, das Fest ist vorüber und die schöne Witterung am Sonntag lockte etwa 2.000 Personen auf den Festplatz, der allerdings staubig, ja sehr staubig genannt werden konnte. Die fortwährende Trockenheit und die Staubwirbel hielten selbst das sonst angenehme unter den schattigen Eichen fern und die Besprengung mit Wasser nützte fast gar nichts.

Der Montag wurde im Verhältnis schwach besucht, jedoch das Schützenzelt nebst daran stoßende Restaurationszelt wurden nach dem Festessen recht gut frequentiert und der Schützenball zählte eine Menge Tanzlustige. 
Erster Schützenkönig wurde Heinrich Sauer, Maschinenfabrikant.

 

Erster Schützenkönig von Altkloster-Heinrich Sauer